Das Dach

Ohne Dach wird’s nass. Und das Dach muss auch noch etwas mehr können als nur den Regen abzuhalten. Die Sonne sollte das Innenleben nicht sofort in einen Backofen verwandeln, im Winter darf die Wärme gerne im Wagen bleiben und wenn es schneit dann kann da durchaus schon ein bisschen Schneelast zusammenkommen.
Und dann soll das Dach natürlich auch noch hübsch sein…

Dachtypen

Für einen Bauwagen kommt am ehesten ein Sattel-, Pult– oder Tonnendach in Frage. Sicherlich wären auch kompliziertere Dachformen möglich. Ob das aber noch sinnvoll ist..?

Aus ästhetischen Gründen haben wir uns praktisch sofort für ein Tonnendach entschieden. Das gehört für uns irgendwie an einen Bauwagen. Leider ist das aber auch die Dachform die relativ teuer oder kompliziert ist.

Tonnendach, aber wie?

Wie schon gesagt ist das Tonnendach gegenüber dem Sattel- und Pultdach entweder teuer, oder kompliziert. Während man im Holzhandel Kanthölzer und Balken aller Art einfach kaufen kann sind tonnenförmige Bauelemente eher keine Standardbauteile. Es darf also gefrickelt werden…

Man könnte das Holz versuchen zu biegen. Unter Einwirkung von Wasser, Wärme und Kraft kann man Holz durchaus biegen. Ob mir das in diesen Dimensionen präzise genug gelingt wage ich zu bezweifeln. Hier mal ein schönes Video das den Vorgang veranschaulicht…

Eine relativ einfache Variante besteht darin sich die Bögen einfach aus geeignetem Plattenmaterial im ganzen Stück herauszuschneiden. Mehrere dieser Bögen können dann verleimt und verschraubt werden. Leider ist dies Variante auch relativ teuer weil mit recht hohem Verschnitt bei der Platte zu rechnen ist.

Billiger, weil weniger Verschnitt, aber um einiges aufwändiger ist es den Bogen in mehrere Segmente zu zerlegen. Diese werden dann überlappend miteinander verleimt (wasserfester D3 Leim) und verschraubt und nach Abbinden des Leims mit der Kappsäge begradigt.

Dachaufbau

Der Bauwagen bekommt 2 unterschiedlich hohe Dachteile. Zum Einen lockert das die Gesamterscheinung etwas auf und sorgt zum Anderen für einen luftigen Wohn- und einen kuscheligen Schlafbereich.
Im Übergangsbereich zwischen den unterschiedlichen Dachhöhen werden 2 der Rundbögen mit einer Platte in der Mitte aufgebaut. So haben die Dachbretter genug Auflagefläche und gleichzeitig ist das kurze Stück Wand geschlossen.

Vorne und Hinten kommen auch je ein mit einer Platte geschlossener Rundbogen zum Einsatz. Alle anderen Bögen werden mit dem Ständerwerk verschraubt und bekommen ungefähr in der Mitte noch eine Aussteifung. Die stabilisiert die Bögen nochmal gegen das Wegkippen und erleichtert das Rumkraxeln auf dem Dachgerüst enorm.

Das Dämmen des Dachs ist viel leichter wenn die Dämmung von oben eingelegt werden kann, statt von unten hochgedrückt und fixiert werden muss während man über Kopf die Innenverkleidung und Dampfsperre anbringt. Also werden letztere zuerst angebracht und dann gedämmt. Wir haben 8cm Hanfdämmmatten sowie 20cm Holzfasermatten geschenkt bekommen, die im Dach eingesetzt werden sollen. Die viel zu dicken Holzfasermatten müssen also in der Mitte geteilt werden und dann auf korrekte Stärke gebracht werden. Leider etwas frickelig, aber geschenktem Gaul….

Anschließend wird die Dämmung durch eine diffusionsoffene Windbremsbahn abgedeckt. Sie hält die Dämmung an der richtigen Stelle und schützt davor das der Wind die warmen Luftpölsterchen wegbläst. Das letzte Bild zeigt noch das Prinzip der Hinterlüftung…

Über die Windbremsbahn kommt die Lattung für die Hinterlüftung und das eigentliche Dach aus 21mm Rauspund. Ein ordentlicher Dachüberstand schützt die Wand etwas vor Regen und sieht auch ganz gut aus.

Die Außenhülle

Eigentlich sah das mit Rauhspund gedeckte Dach ziemlich hübsch aus und wir hätten es am liebsten genau so gelassen. Leider ist das natürlich nicht wetterfest und ein Regenschutz muss noch über das Holz. Klassisch werden Bauwagen mit Blechdächern gedeckt, was aber nicht ganz günstig ist. Zum Einen kostet das Material wie z.B. verzinktes Blech oder gar Kupfer einiges, zum Anderen gibt es ja die Stellen an denen die einzelnen Blechtafeln aneinanderstossen. Diese Stellen müssen auch wasserdicht ausgeführt werden… Irgendwie war ein Blechdach für unseren Wagen nie wirklich eine Option.

Dachpappe wäre auch eine Möglichkeit. Selbige wird mit Dachpappnägeln am Dach festgenagelt und weitere überlappende Bahnen werden dann entweder mit einem Gasbrenner oder mit einem speziellen Kaltkleber ‚aufgeschweisst‘. Von verschiedenen Stellen wurde uns davon aber abgeraten weil so ein Dach im Sommer sehr heiß wird und dann anfängt nach Teer zu stinken. Ich habe keine Ahnung ob das stimmt, klang aber abschreckend genug um eine weitere Möglichkeit unter die Lupe zu nehmen:
LKW-Plane. Dieses Zeug ist nahezu unkaputtbar, ist in ausreichend großen Stücken verfügbar um ein ganzes Bauwagendach ohne Überlappung komplett zu decken und ist in den Kleinanzeigen oft recht günstig zu haben. Wir haben für unsere Plane ca. 100€ bezahlt. Es handelt sich dabei um neue Reststücke einer mittelschweren Qualität, wie sie für Autoanhänger verwendet wird.
Auf die Idee mit der LKW-Plane hat mich ein Bauwagenprojekt aus dem Netz gebracht. Anders als bei diesem Bauwagen konnte ich die Plane aber nicht an der unteren Dachkante umschlagen und von hinten festtackern (Erklärung siehe Regenrinne). So blieb also auch nur die Möglichkeit die Plane flächig zu kleben.

Als Kleber kam von Soudal „FixAll Floor and Wall“ zum Einsatz. Das Zeug hat in etwa die Konsistenz von Fugensilkon, polymerisiert durch die Luftfeuchtigkeit, bleibt dauerhaft elastisch und kommt auch mit den Temperaturen auf dem Dach klar. Ach ja, es klebt auch perfekt auf der Haut (siehe unten)…

Die LKW-Plane habe ich, in der Hoffnung die Knickfalten würden sich in der Sonne unter dem Eigengewicht wegziehen, vor dem endgültigen Verkleben einige Tage auf das Dach gelegt. Das hat aber nicht besonders viel gebracht. Die richtig positionierte Plane hab ich dann von den Enden her zur Mitte hin aufgerollt, so daß ein Wurst in der Mitte des Daches lag. Der Kleber bildet nach Herstellerangaben schon nach 10 Minuten eine Haut. Daher ist zügiges Arbeiten in Etappen die geeignete Strategie. Also wird der Kleber auf voller Länge des Dachs und etwa 50cm breit mit dem Zahnspachtel aufgetragen. Dann wird die Plane auf die Klebestelle gerollt, angedrückt und glattgestrichen. Danach geht es mit dem nächsten Stück weiter.

Beim ersten Dachabschnitt hab ich einige ‚Fehler‘ gemacht:

Der Kleber kommt in einem Folienbeutel der wiederum in einem Eimer liegt. Den Beutel hab ich oben aufgeschnitten und in den Eimer gestellt, um mit dem Zahnspachtel in den Beutel eintauchen zu können. Beim Eintauchen hab ich aber mit der Hand die Beutelinnenseite berührt und ziemlich bald war mein Gummihandschuh mit dem Zeug voll. Da ich aber beim Ausrollen und Glattstreichen die Plane nicht vollschmieren wollte musste ich den Gummihandschuh ausziehen. Die restlichen Einmalhandschuhe lagen aber unten und vom Dach zu klettern war mir zu zeitaufwändig und so habe ich ohne Handschuhe weitergemacht. Ergebnis: Mein Hand und mein Arm waren mit dem Kleber zugegloddert. Am Ende hab ich dann versucht mit dem Kratzschwamm den Kram von meiner Haut zu bekommen, aber da der Kleber selbst unter Wasser klebt hat das nicht besonders gut geklappt. Nach 2 Wochen war das Zeug dann aber wieder runter… …immerhin war die Plane vernünftig fest.

Beim zweiten Teil des Dachs hab ich nur eine Ecke von dem Beutel abgeschnitten und den Kleber direkt auf die Klebefläche gequetscht. Vorher hab ich mir 10 Schichten Handschuhe übereinander angezogen., so daß ich immer wenn es notwendig war einfach einen eingesauten Handschuh entfernen konnte. VIEL BESSER!

Insgesamt habe ich übrigens 3 dieser 4-Kg-Eimer zu je 35 Euro verbraucht, was die Idee eines günstigen Dachs auch wieder etwas relativiert.

Jetzt, nach einem Sommer und zwei Wintern klebt die Plane immer noch wie am ersten Tag…

Traufblech

Um das Holzdach zu schützen habe ich auf der unteren Dachkante ein 12cm breites verzinktes Traufblech angebracht auf dem die Plane endet. Das Blech hängt bis in die Regenrinne und verhindert so, dass Feuchtigkeit an das Holz spritzen kann.

Regenrinne

Damit das Wsser vom Dach nicht unkontrolliert an den Wändern runterläuft wird an den langen Seitenwänden eine Regenrinne angebracht. Ich musste eine Weile tüffteln bis ich auf eine brauchbare Lösung für die Anbringung der Regenrinne gekommen bin. Grund dafür ist, dass die Wände mit Hinterlüftung die im Straßenverkehr maximal zulässige Breite ausnutzen sollten. Wenn die Wände aber schon die 2,55m Breite haben, dann kann das Dach natürlich nicht mehr über die Wände überhängen. Wenn das Dach aber nicht überhängt, dann kann aber auch das Wasser nicht in die Regenrinne geführt werden. Also muss die Regenrinne halt in die Wand versenkt werden und die nun nach oben offene Hinterlüftung der Wand vor Regen geschützt werden. Das ist zwar ein ordentlicher Mehraufwand, bringt aber fast 10cm mehr Breite im Wagen, sprich 0,6m² mehr Wohnfläche.

Fazit

Nach fast 2 Jahren ist das Dach weiterhin dicht und tut seinen Dienst. Das ist erstmal die gute Nachricht. Trotzdem würde ich manches mittlerweile anders machen.

Besonders die Optik von Außen finde ich nicht übermäßig ansprechend. Die weiße Plane sticht leuchtend vor dem dunklen Wald in starkem Kontrast hervor und in meinen Augen harmoniert das auch nicht gut mit dem Holz des Wagens. Ein Nachbarwagen hat im Herbst ein neues Dachpappendach bekommen was mir von der Farbe deutlich besser gefällt und bisher auch noch nicht zu riechen war. Ich warte mal den Sommer ab…

Auch die zwei unterschiedlich hohen Dachteile gefallen mir von außen nicht so gut. Irgendwie muss ich dabei immer an eine Lokomotive mit seltsamen Proportionen denken. Innen ist das allerdings toll: Der Schlafbereich grenzt sich optisch schön vom Kochbereich ab und die leicht niedrigere Deckhöhe erzeugt ein kuscheligeres Ambiente.

Würde ich den Wagen jetzt nochmal bauen würde ich mich vermutlich für ein durchgehend hohes Dach mit Oberlichtern entscheiden. Im Idealfall wäre das ein Kupferblechdach, mindestens aber Dachpappe statt der LKW-Plane.